Bad Urach: Spurensuche Bauernkrieg: Bad Urach – Dettingen Erms – Böhringen – Münsingen – Würtingen – Hohenurach
Tretmühle
Die einfachen Bauern und Städter auf der Schwäbischen Alb vor 500 Jahren wollten raus aus dem Trott ständig wachsender Armut. Diese Tour rollt auf den Spuren zarter Andeutung von Demokratie.
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Ruine Hohenneuffen: Die Freiheitskämpfer, Würtinger Singerhans und Dettinger Bantelhans, waren ab Mai 1514 beide in der Festung Hohenneuffen eingekerkert.
- ■■ Bauernkriegstour: 62 km / 417 Höhenmeter
- Start/Ziel: Wahlweise Bad Urach oder Dettingen Erms
- Höhe: min/max 397/842 m
- Fahrzeit: 4:15 Std. / schwer
- Sehenswert: Bad Urachs historische Altstadt, Münsinger Stadtmuseum
Was gibt es Schöneres, als Biketouren mit einem Motto als Ziel. Durchtrainierte Rennradler träumen von: einmal im Leben hinauf zum Schicksalsberg der Tour de France, den Mont Ventoux. Urlaubsradler träumen von Alpenfernfahrten in Etappen zum Mittelmeer. Und Tagesausflügler? Die freuen sich, wenn Insider die (wirklich) schönsten Routen ihrer Region empfehlen, wie es beispielsweise die Tourismusinformation Münsingen schon seit geraumer Zeit praktiziert. Sie hat ganz speziell für E-Bikes 15 Touren ausgearbeitet – auf 900 Kilometer Radwegen über die Schwäbische Alb (www.muensingen.de).
Auch Sphäre präsentiert seinen Lesern schon seit 2006 Rad- und Wandertouren auf seiner Online-Plattform. Und in diesem Sommer kommt eine ganz besondere hinzu: die 500-Jahre-Bauernkrieg-Tour. Als Titelstory ab Seite acht skizziert die Redaktion den geschichtlichen Rahmen der Aufstände vor 500 Jahren mit der umstrittenen Persönlichkeit des Herzog Ulrich von Württemberg als roter Faden.
Diese Rundtour nun greift diese Thematik auf und verknüpft einige geschichtliche Eckpunkte zu einem der landschaftlich reizvollsten Ausflüge über die Alb. Auf jene, die am Marktplatz Dettingen Erms durchstarten, warten 62 Kilometer und 900 Höhenmeter, teils auf Schotter, meist auf Radwegeasphalt. Als Zaungast blickt hier der Bantelhans (Station ❶) vom Brunnen auf seine leidvolle Vergangenheit, in der er als einer der Anführer des Aufstands „Armer Konrad“ (1514) im Kerker der Burg Hohenneuffen endete (Foto unten).

Dettingen Erms: Als Zaungast blickt hier der Bantelhans vom Brunnen auf seine leidvolle Vergangenheit.
Hinauf geht es dann über den Schleichweg, Promillesteige genannt, Richtung Hülben. Eigentlich war dieses idyllische Autosträßchen wegen Sanierungsbedarf nur vorübergehend gesperrt – doch seit 2025 dauerhaft. Die Gemeinde kann die Kosten von satten 18 Millionen Euro nicht stemmen. Die Autofahrer ärgert’s, die Radfahrer freut’s, wie man an der überraschend starken Nutzung selbst in den kühlen Frühlingsmonaten ablesen kann.
Oben auf der Alb führt die Route vorbei am Heidengrabenzentrum nach Böhringen, von da über den ehemaligen Truppenübungsplatz nach Münsingen. Der dort im Alten Schloss verhandelte Münsinger Vertrag (Station ❷) einte 1482 das 40 Jahre lang geteilte Württemberg. Heute vermittelt das historische Gebäude als Stadtmuseum die Geschichte Münsingens, seiner Stadtteile sowie die Kulturgeschichte der Münsinger Alb.

Münsingen: Der im Alten Schloss verhandelte Münsinger Vertrag einte 1482 das 40 Jahre lang geteilte Württemberg.
Von hier nun setzt die Tour zu einem Zeitsprung an, hinüber nach Würtingen zurück in die Wirren des „Armen Konrad“ (Station ❸). Wie der Dettinger Bantelhans begehrte 1514 auch der Würtinger Singerhans gegen Herzog Ulrich auf. Über die lieblichen Weideflächen und Felder hier weht ein wenig der Duft vergangener Tage. Auch wenn es hier keine Erinnerungsstätte an den Bauernkrieg gibt, das stolze, aufwändig renovierte Fachwerkrathaus ist unbedingt einen Pausenstopp wert. Die Wurzeln des Gebäudes gründen nicht zu Ulrichs Zeiten, sondern deutlich später im 18. Jahrhundert (Sphäre-Gebäudeporträt: Online www.biosphaere-alb.com, WEBcode 223321).

St.Johann-Würtingen: Wie der Dettinger Bantelhans begehrte 1514 auch der Würtinger Singerhans gegen Herzog Ulrich auf.
Das letzte Etappenziel (Station ❹) führt ins Zentrum feudaler Dekadenz: Hohenurach, zu Zeiten früher Bauernaufstände bis 1519 zum Luxusgefängnis eines württemberger Grafen umfunktioniert. Dann gibt’s noch das Residenzschloss Urach, Schauplatz bedrohlicher Ehedramen des prunksüchtigen Herzog Ulrich mit seiner Frau Prinzessin Sabina. Aktuell wird dieses mittelalterliche Domizil saniert. Doch nicht nur dieses Schloss repräsentiert die 500 Jahre alte, für die untersten Stände unglaublich leidvolle Zeit. Auch ein Streifzug durch enge Gassen der heute heiteren Fachwerkstadt holt das beschwerliche Leben von damals vor das geistige Auge. Denn Bauern, Handwerker, selbst Gelehrte waren in der Ständegesellschaft gefangen, da half weder Intelligenz noch Schaffenskraft. Die Geburt entschied über Wohl und Macht im württemberger Land, der Stadt, in Urach.

Ruine Hohenurach: Zu Zeiten früher Bauernaufstände bis 1519 zum Luxusgefängnis eines württemberger Grafen umfunktioniert.
Chronik: geschichtliche Radtour
Dettinger Bantelhans
Die Brunnenfigur symbolisiert den Anführer des Aufstands „Armer Konrad“. Hier startet die Tour übers Traumsträßle hoch zur Alb. Abstechertipp zum Hohenneuffen.
Würtinger Singerhans
Das St. Johanner Rathaus ist ein Kniefall an die Schaffenskraft vergangener Generationen. Der „Arme Konrad“-Anführer allerdings lebte 250 Jahre früher.
Münsinger Vertrag
Württemberg war zweigeteilt. 1482 unterzeichnete man im Alten Schloss (heute Stadtmuseum) den Einigungsvertrag.
Abstechertipp zu Ruinen im Lautertal und besonders Burg Derneck.
Uracher Residenzschloss
Aktuell sind die Räume wegen Renovierung geschlossen: Alternativ lohnt sich eine Radrunde durch die historischen Gassen der schönen Fachwerkstadt.
Abstechertipp zum Hohenurach.
2 Tipps zum Schluss

Literatur: „Lichtenstein“ – Wilhelm Hauffs Roman aus dem Jahr 1826 versetzt Marie von Lichtenstein und Georg von Sturmfeder exakt in jene Zeit, als man 1519 Herzog Ulrich vertrieb – lesenswert.

Großes Lautertal: Es muss nicht immer Radeln sein. Erlebnisse bergen die zahlreichen Burgruinen entlang des Lautertals. Es lohnt, sie zu erwandern. Tipp: die noch intakte Burg Derneck mit Gastrobetrieb.
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Printausgabe: Sphäre 2/2025, Seite 14-15
WEBcode 25214
Die Brunnenfigur symbolisiert den Anführer des Aufstands „Armer Konrad“. Hier startet die Tour übers Traumsträßle hoch zur Alb. Abstechertipp zum Hohenneuffen.
Das St. Johanner Rathaus ist ein Kniefall an die Schaffenskraft vergangener Generationen. Der „Arme Konrad“-Anführer allerdings lebte 250 Jahre früher.
Württemberg war zweigeteilt. 1482 unterzeichnete man im Alten Schloss (heute Stadtmuseum) den Einigungsvertrag.
Aktuell sind die Räume wegen Renovierung geschlossen: Alternativ lohnt sich eine Radrunde durch die historischen Gassen der schönen Fachwerkstadt.

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