Parkplatz Fuchslöcher – Wanderweg auf der rechten Seite oberhalb Donntal, Abstecher hoch zur Aussicht Stellfels und zurück, Wandertrail bis Gutenberger Autosteige, nach zweiter Straßenüberquerung Abstecher Gasthof Schlatterhöhe möglich, zurück am Parkplatz Fuchslöcher.
GPS-Wandern: Schopfloch – Ausflug in die Wildnis
Pfad-Finder
Unwegsam als Prädikat für Wildnis? Wer Natur wirklich mag, freut sich über die letzten Abenteuer auf wilden Pfaden. Denn Bequemlichkeit und mangelnde Motorik haben die Gesinnung der Wanderwelt allzu anstrengungsfrei überformt.
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Donntal: Die herrliche Unwegsamkeit dieser Wanderung belohnt am Aussichtsbänkle Stellfels mit einer Fülle an herbstlichen Farben.
- ■■ Wildnis-Tour: 5,1 km / 171 Hm.
- Start/Ziel: Fuchslöcher
- Höhe: min/max 650/790 m
- Gehzeit: 2 Std. / schwer
- Pause: Gasthof Schlatterhöhe, Aussicht Stellfels
- Achtung: Echte Wildnis, unwegsame Pfade, Trittsicherheit und bestes Schuhwerk empfohlen.
Zertifizierte Wanderwege sind quasi das Sorglos-Paket für Ausflügler: Mondäne Beschilderung, gefahrenfreie Wegführung eingebettet in ein Handy-taugliches Marketingkonzept. Doch es gibt sie noch – die geheimen Pfade, skizziert auf alten Landkarten und online als schwarz gestrichelte Linien. Man muss nur wissen, welche dieser Wege der Wanderlust entsprungen sind und nicht der Waldwirtschaft.

Quo vadis: Wo ist der Weg?
Eine dieser beschwerlich-abenteuerlichen Routen verläuft durch das drittgrößte Naturschutzgebiet der Schwäbischen Alb. Doch selbst diese 604 Hektar unaufgeräumtes Waldstück nahe der Gutenberger-Autosteige am Aussichtsbänkle Stellfelsen erfüllt die 2007 aufgestellten Kriterien für ein sogenanntes „Wildnisgebiet“ nicht. Denn: es ist kleiner als 1000 Hektar (Link zur Karte Wildnisgebiete Deutschland).

Stellfels: Klettern mit Aussicht auf die Kernzone.
Laut Bundesamt für Naturschutz müssen Wildnisgebiete ausreichend groß, (weitgehend) unzerschnitten und nutzungsfrei sein. Sie dienen dazu, einen vom Menschen unbeeinflussten Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft zu gewährleisten. Bis 2020 sollten eigentlich auf zwei Prozent der Landfläche Deutschlands großräumig zusammenhängende Wildnis entstanden sein. Die Bilanz 2024 allerdings summiert nur 220000 Hektar unberührter deutscher Natur, also nur schlappe 0,62 Prozent.
Ziel verfehlt. Kein Bundesland kommt für sich alleine in Reichweite des 2007 gesteckten Ziels. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen schwenken sogar mit nur 0,23 und 0,19 Prozent Wildnis das Schlusslicht.
War und bleibt der „wilde Süden“ nur ein frecher Werbeslogan des Radiosenders SDR-3 aus den 1990er Jahren? Die aktuelle Dachmarke des Tourismusnetzwerks Baden-Württemberg zumindest greift diesen jugendlich- frechen Spruch nicht auf. Für sie bleibt „The Länd“ einfach nur: „Wir sind Süden“.
Ob auch für Grünen-Politiker Markus Rösler, geistiger Vater des Biosphärengebiets, das Ländle wilder geworden ist, verrät er 2025 auf der Onlineplattform des Vereins Parlamentwatch e.V.: „0,23 Prozent sind wenig und ich sehe es als wichtiges Ziel an, diesen Prozentsatz zu erhöhen.“
Aktuell gelten im Schwarzwald nur der Nationalpark als Wildnisgebiet und die Schwarzahalden im Biosphärenreservat Südschwarzwald. Auch wenn man sich auf der Biosphären-Alb nicht zu größeren Schutzgebieten durchringen konnte, so lässt diese Sneaker-untaugliche Wanderung dennoch tief blicken, in das, was schwindende Biodiversität braucht: Ein Gebiet wie das Donntal, das hoffentlich erst im Herbst die Ferne öffnet, weil dann jedes Blatt jahreszeitgemäß fällt und nicht verfrüht wie jetzt im zu heißen Sommer (Link zur Karte alle Naturschutzgebiete Deutschland).
Naturschutzgebiet: Oberes Lenninger Tal mit Seitentälern
Urwald von morgen – dieser seit 1993 aus der Nutzung genommene Winkel der Schwäbischen Alb gibt Anmutung, was Wildnis bedeutet: Totholz (➍), beschwerliche Wege und ein siedlungsfreier Ausblick, als schweife man durch den Indian Summer Kanadas. Diese Wildnis schmückt als vergleichsweise große Kernzone das Biosphärengebiet. Man sollte gut zu Fuß sein. Grobstolliges Profil an den Schuhen gibt Sicherheit an seitlich abfallenden Wegpassagen.
Totholz: Natur als Skulptur.
Einkehrtipp: Gasthof Schlatterhöhe
Ein Ort, um zu verschnaufen. Schon 1926 rasteten hier die Reisenden, damals allerdings mehr die Pferde, nach schwerem Aufstieg aus dem Lenninger Tal. Die Kutscher derweil genossen ihre deftige Brotzeit, so wie sich heute der Wanderer in der gemütlichen Gaststube mit selbst gemachten Kuchen stärkt oder herzhafte Wildgerichte aus der schwäbischen Küche genießt.
Info: www.schlatterhöhe.de
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Printausgabe: Sphäre 3/2026, Seite 22-23
WEBcode #26323






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Luftschlösser auf Schwäbisch
